theater2011_05.jpg
theater2010_01_neu.jpg
tgesch099.jpg
babylon_9.jpg
wind4.jpg
2006 Dario Fo - Ganz normaler Wahn-Sinn - Chaos³

alt

"Ein Kleingeist hält Ordnung, das Genie überblickt das Chaos!"

Was aber, wenn das Chaos den Alltag beherrscht? Wenn sich plötzlich jemand zum Straßenkehrer "berufen" fühlt? Wenn ein Anstreicher zu einem Ein-Falls-Pinsel greift und ein Mann im Frack die "nackte Liebe" erleben will? Wenn eine Witwe und ihre drei Nebenwitwen bedingungslos eine Wachsfigur lieben und Diebe einfach nur ihr Handwerk ausüben wollen? Wenn Menschen wie Marionetten an den Fäden ihrer geheimen Wünsche tanzen? Nur Clownerien oder der ganz normale Wahnsinn?

Dario Fos Farcen sind mehr als billige Scherze. Es sind Stücke voller "doppelter Schlüssel für Doppelzimmer mit Doppelmoral". Sie werfen einen schrägen Blick auf unsere verrückte Alltäglichkeit: Da wird aus einem Haus ein Freudenhaus, ein Toter wird wieder lebendig, ein Straßenkehrer zum Philosophen. Verrückte Bruch-Stücke unseres Lebens.

Elmar Wittmann

Dario Fo

alt1 Verhaftung, 47 Prozesse, dutzende Festnahmen; 47 Komödien, hunderte Artikel, 65 Lieder, 82 Regiearbeiten in Theater, Film und Fernsehen und schlussendlich 1997 der Nobelpreis. Das ist die Lebensbilanz des italienischen Schriftstellers und Regisseurs Dario Fo.

"Der Nobelpreis für Literatur wird dem Italiener Dario Fo zuerkannt, der in der Tradition mittelalterlicher Gaukler die Macht tadelt und die Würde der Erniedrigten wiederherstellt. Fo wird seit langem auf der gesamten Welt aufgeführt und ist vielleicht der am häufigsten gespielte Dramatiker der Gegenwart; sein Einfluss ist groß. Die Mischung von Lachen und Ernst ist sein Mittel, um Übergriffe und Ungerechtigkeiten der Gesellschaft deutlich zu machen, aber auch um diese in eine größere Perspektive zu rücken."

Aus der Würdigung Fos durch die Schwedische Akademie.

"Die Macht, und zwar jede Macht, fürchtet nichts mehr als das Lachen, das Lächeln und den Spott. Sie sind Anzeichen für kritischen Sinn, Phantasie, Intelligenz und das Gegenteil von Fanatismus Ich bin nicht mit der Idee zum Theater gegangen, Hamlet zu spielen, sondern mit der Ansicht, ein Clown zu sein, ein Hanswurst."

Aus Dario Fos Rede anlässlich der Preisverleihung in Stockholm

Biographie

Dario Fo wird 1926 in San Giano am Lago Maggiore als Sohn eines Bahnhofsvorstehers geboren. Er, der in dem von FIAT teilregierten Land sowohl keinen Führerschein besitzt als auch Autos generell fürchtet, studiert zunächst Malerei und Architektur. Sein Debut als Schauspieler hat er 1952 in Mailand. Zusammen mit Kollegen spielt er in den kommenden Jahren politisch-satirische Revuen, bis sich die Gruppe nach einem Aufführungsverbot auflöst. Zusammen mit seiner Frau Franca Rame, mit der er seit 1954 verheiratet ist, beginnt er zunächst Stücke zu schreiben. Später gründet das Paar eine gemeinsame Theatergruppe.

Den internationalen Durchbruch schafft er 1960 mit dem Stück "Erzengel flippern nicht". Fos Theater probagiert das "Theater der großen Provokation". Immer wieder wird er in Prozesse verwickelt, mehrmals sogar auf offener Bühne verhaftet. Mit seinem politischen und kulturellen Engagement lässt er keine Gelegenheit aus, sich mit dem Staat und seinen Institutionen und auch dem Vatikan anzulegen.

Bereits 1976 wird Fo für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen. Im selben Jahr wird er in der BRD mit dem Stück "Bezahlt wird nicht" zum ersten Mal aufgeführt. In den folgenden Jahren unternimmt er zusammen mit Franca Rame zahlreiche Tourneen, unter anderem nach Deutschland, Dänemark, Schweden und England. Lediglich in die USA wird ihm noch mehrere Jahre die Einreise verweigert. Erst 1986 erhält er auf persönliche Intervention von Präsident R. Reagan eine sechswöchige Aufenthaltserlaubnis. Inzwischen wird Fo in über 50 Ländern gespielt. Als er 1997 tatsächlich mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wird, gibt es begeisterte Zustimmung, aber auch heftige Kritik.

Obwohl inzwischen gesundheitlich angeschlagen engagiert sich Fo bis heute gegen Machtmissbrauch und für die Rechte Benachteiligter. Als er 2004 in seinem neuesten Werk mit der Idee spielt, das halbe Gehirn Putins dem italienische Premier Berlusconi einzupflanzen, will dieser die Aufführung verbieten lassen. Ein Journalist stellt darauf die Frage: "Dario Fo gegen Silvio Berlusconi - der Kampf der Giganten?" Der Autor kontert mit der Antwort: Ich würde es nüchtern ausdrücken: "Wettstreit zweier Berufskomiker."

Irmgard Pflüger

Die Rollen und ihre Spieler

Darsteller

Hausherr - Niko Edelmann
Anna, seine Frau - Elena Lindenmayer
Dieb - Fabian Keck
Maria, seine Frau - Ann-Kathrin Steimer
Antonio - Frank Kienmoser
Julia, seine Frau - Juliane Renner
Witwe - Annika Becker
Giorgio - Celia Nicklaus
Chef - Anja Satzger
Geselle - Grischa Schelker
Anna - Julia Mack
Daina - Ann-Kathrin Steimer
Sonja - Lisa Markel
Herr - Florian Markel
1. Straßenkehrer - Mirjam Pflüger
2. Straßenkehrer - Frank Kienmoser
Der Nackte - Volker Zaiss
Polizist - Veronika Kölle
Frau - Lisa Markel
Mann im Frack - Florian Markel

Maske

Julia Albrecht, Nadja Baloscheskul, Kristina Dworsky, Ricarda Jacob, Jina Schnitzer, Alexandra Steimer, Helena Wakengut

Ton- und Lichttechnik

Michael Gansmann, Jochen Mack, Jan Philipp Schmiga

Kostüme

Kristin Hildenbrand         

Instrumentalisten

Klavier - Mirjam Pflüger
Cello - Niko Edelmann
Schlagzeug - Juliane Renner

Leitung

Irmgard Pflüger
Elmar Wittmann

alt

Aufführungen

Zwei Aufführungen im kleinen Saal der Walter-Schmid-Halle (28. und 29. Juni, jeweils 20.00 Uhr)

Aufführung im Treffpunkt Baden-Württemberg auf der Landesgartenschau in Heidenheim (03. Juli, 20 Uhr)

Teilnahme an den Schultheatertagen des Theaters Ulm (07. Juli, 18 Uhr)